Gründung und Werdegang der Dschungelpost

Ein ganz persönlicher Rückblick von Wolfgang Wörmann (2004)

Im Sommer 1985, irgendwann bei einer geselligen Zusammenkunft in der Postschänke, kam das Gespräch, wie es in Köln unvermeidlich ist, auf den nächsten Karnevalzug, und bald auch auf die eventuelle Gründung einer Gruppe, um am Sonntagszug in Holweide selbst einmal teilzunehmen. Gestandene Leute, Männlein wie Weiblein, ja sogar Pänz, waren schnell Feuer und Flamme. Gesagt, getan: Es wurden Pläne gemacht über die Kostüme und vor allem über die Finanzierung. Gar nicht so einfach, aber wir waren im "saftigen Alter", finanziell gut gestellt, jeder hatte Einkommen und war bereit, Geld und Zeit zu investieren. Kostüme wurden ausgedacht – Ideengeber waren die "Negerköpp vom Eigelstein“.
Kontakt wurde aufgenommen, um herauszubekommen, wo und wie man an Felljacken und vor allem an Hüte kommt. Bezugsquellen für Federn, Felle und dergleichen wurden nur langsam und nach und nach erschlossen. Zunächst boten uns die Negerköpp überzählige Hüte an, der Preis: – aua - ca. 800,00 DM. Das war uns doch "’ne Ecke" zu teuer. Also umhören und überlegen, wie’s billiger geht. Im ersten und zweiten Jahr war an diese Unsummen nicht zu denken, also wurden Perücken gekauft, die für den Anfang auch ausreichten. Felljacken und dicke Pullover wurden besorgt, die wir im ersten Zug auch bitter nötig hatten. Temperaturen von minus 25 Grad Celsius waren angesagt. Unser Bagagewagen, ein Diesel, gut beladen und geschmückt, liebevoll mit Teppichboden und Decken für unsere Kleinsten ausgelegt, fror prompt kurz vor Beginn des Zuges ein! Was tun? Mit Lötlampe und anderen wärmespendenden Instrumenten das Problem in Angriff nehmen, die Zeit drängte, um 13.00 Uhr war Aufstellung und viele Gäste der Postschänke und Anwohner erwarteten uns. Irgendwie schafften wir es dann doch, den Wagen rechtzeitig aufzutauen. Unsere erste Teilnahme an einem Karnevalszug ... au weia ... Es war bitter kalt, die Kinder, Sascha und Jasmin, mußten schon früh aussteigen, es ging nicht länger. Die Erwachsenen hatten neben der Kälte mit den Kostümen zu kämpfen. Es lag Schnee, falsches Schuhwerk, unsere Stulpen lösten sich in Wohlgefallen auf. Röcke lösten sich reihenweise, Koppeln lagen im Schnee, wir hatten null Ahnung als Fußtruppe. Koordination in der Gruppe kannte niemand, woher auch? Es kam wie es kommen mußte: Einige Teilnehmer machten schmerzhafte Erfahrungen mit der Heckklappe unseres Bagagewagens, und wohin mit den unterwegs konsumierten Getränken? Aber was soll's, wir wollten es ja so. Irgendwann, so gegen 17.00 Uhr war unser Rieseneinsatz vorbei. Fazit: Spaß hat es trotzdem gemacht. Wir hatten Blut geleckt, nächstes Jahr würde alles besser werden und es wurde besser, und wie!
Wir entdeckten mit einem Mal unsere musikalische Ader. Jeder griff tief in die Tasche, ’ne dicke Trumm, Landsknecht- und Wirbeltrommeln sowie Tamburins für unsere Kinder und Frauen wurden gekauft. Rhythmus glaubten wir zu haben, und so fingen wir an zu ,,spielen“. Bei längeren Vorträgen in der Postschänke kam dann irgendwann sogar ein akzeptables Lied zusammen. Übung macht den Meister, es wurde geprobt und geprobt und bis zum nächsten Einsatz – war alles wieder vergessen. Probleme hatten wir auch mit der Lautstärke, unsere Devise: nicht schön, Hauptsache laut. Das Tempo war auch nicht einheitlich, einer war noch in Holweide, die anderen schon in Mülheim. Jedenfalls es ging aufwärts, ein Verstärker und Mikrophon wurden angeschafft und Gisela mußte singen, was war das für ein Gaudi. Hatten wir ohne Gesang schon Probleme, so waren die ersten Versuche mit Gesang nicht für jedes Ohr bestimmt. Mit der Zeit bekamen wir aber auch das in den Griff, und siehe da: Die ersten Auftritte wurden gestaltet und gar nicht mal so schlecht. Da mehrere Mitglieder unserer Gruppe auch gleichzeitig Mitglieder im Sozialverband Reichsbund waren, beglückten wir diese Institution mit unseren ersten Musizierversuchen, die sich mit der Zeit auch hören lassen konnten.
Wie es bei größeren Veranstaltungen üblich ist, trifft sich dort alles, was Rang und Namen hat. Es blieb also nicht aus, daß andere Vereinsfunktionäre (Vereinsvorsitzende, Literaten oder Beauftragte) uns hörten und sahen, und siehe da: Ihnen gefiel, was wir ihnen boten. Bald folgten Verpflichtungen, die für unsere Verhältnisse sogar richtig honoriert wurden. Somit kam im Laufe der Zeit ein hübsches Sümmchen zusammen, das wir gleich wieder investieren konnten, diesmal in eine Musikanlage, die ihren Namen auch verdient hatte.
Im Verein selbst änderte sich auch einiges: Unsere Mitglieder wurden jünger, Familien mit 1-2-3 Kindern traten dem Verein bei. Dies war für uns wiederum Ansporn, diese neuen Mitglieder zu integrieren und als Auftrittskräfte zu formen.
Maßgeblichen Anteil hatte (und hat noch) unsere Jugend – nebenbei: alles Mädchen – die einfach Spaß an Rhythmus, Tanz und Bewegungen hat. Über die Jahre hinweg bildeten sich aus einer Kinderschar, die lieb und enthusiastisch ans Werk ging: die „Dschungelgirls“.
Ziel der Mädchen war und ist es, moderne Musik im Tanz auszudrücken, was ihnen hervor-ragend gelungen ist, wie sie bei etlichen Auftritten wie Geburtstagen und Vereinsfesten gerne beweisen und, wie ich hoffe, seit 2002 als „Super Babes“ in Zukunft noch beweisen werden.
Alle Mitglieder sind sowohl der Kölschen Volksmusik, wie auch dem lateinamerikanischen Rhythmus zugetan. Gassenhauer wie „Et Trömmelche“, „Op dem Maat“, „Mir losse d’r Dom in Kölle“, „Polterovend“, „Ich sprech Kölsch, leve Jung“ usw. gehören zum Repertoire. Wir haben mittlerweile auch eine dritte CD besungen, die im Jubiläumsjahr 1999/2000, wie es sich gehört, am 11. 11. vorgestellt wurde.
In derselben Session konnten wir feierlich das fünfzehnjährige Jubiläum der Dschungelpost mit einer zweiten Kostümsitzung begehen, für die sich durchschlagender Erfolg verzeichnen ließ.
Im Januar 2001 folgte ein weiteres Highlight: Der Auftritt der Dschungelpost beim 1. Berliner Carnevals Club, den wir 2002 wiederholten. Auch unser erfolgreicher Auftritt in Harsewinkel bei Bielefeld 2004 wird uns in stolzer Erinnerung bleiben.
Da die mit diesen Aktivitäten verbundenen Anschaffungen, zu der auch erwähnte größere Gesangsanlage, Boxen und Funkmikros gehören, unser Vereinsvermögen bei weitem überstiegen haben, möchte ich mich an dieser Stelle bei unseren Sponsoren ganz herzlich bedanken. Diese sind in erster Linie Christa Peters, Wolfgang Peters, Gaby Frank und Raoul Bauer. Geld ist viel ist, aber nicht alles, und so möchte ich es auch nicht versäumen, weiteren, durch ihr großes Engagement verdienten Mitgliedern zu danken: Thomas Schwarberg nebst Frau Bettina, der viele Jahre lang die Geschicke des Vereins erfolgreich gelenkt hat. Jasmin Pautsch und Nicole Müller und allen anderen inzwischen ausgeschiedenen Dschungelgirls, die die Jungendtanzgruppe der Dschungelpost gegründet haben, Sascha Peters, der als Allroundtalent aus der Dschungelpost nicht mehr wegzudenken ist, und natürlich allen anderen, aus Platzgründen ungenannten Mitgliedern, die sich für ihren Verein tatkräftig eingesetzt haben.
Die Heimat der K.G. Dschungelpost 1985 e.V. ist und bleibt Holweide. Die enge Verbundenheit zu diesem Kölner Veedel wird deutlich durch die intensive Mitarbeit in der Bürgervereinigung Holweide und das mehr als herzliche Verhältnis zur Holweider Selbsthilfe (HoSe e.V.). Die Hose e.V. stellt uns ihren Besprechungsraum für die wöchentlichen Proben zur Verfügung, im Gegenzug werden wir auch in Zukunft gerne musikalisch und personell ihre Veranstaltungen unterstützen.
Hier ist also in zwanzig Jahren aus Nichts ein vielseitiger Karnevalsverein entstanden, der so manchem Sturm tapfer standgehalten hat und sicherlich auch weiterhin allen Widrigkeiten trotzen wird.